p.03 Tatort Alltag & Traumgärten 2009

„Public understanding of science“ präsentierte das Projektbüro gemeinsam mit dem City-Management Oldenburg (CMO) von September bis Oktober mit dem Projekt „Tatort Alltag“. Mit Erklärungen, die auch Laien verstehen, wurden wissenschaftliche Phänomene unterhaltsam und auf ungewöhnliche Weise vorgestellt.

Der Alltag mit all seinen Gegenständen und vertrauten Erscheinungen wurde genau unter die Lupe genommen und mit den Augen der Wissenschaft betrachtet. Projektbüro und CMO riefen hierzu gemeinsam die Oldenburger auf, Fragen zu stellen: zur Physik, die im Plasma-Bildschirm steckt, zur Informatik, die den ipod zum Laufen bringt, zur Chemie des Schimmelkäses… Zudem beteiligten sich viele Einzelhändler an der Aktion – häufig mit Bezug auf ihre Produktpalette.
Eine Auswahl dieser Fragen wurden durch Wissenschaftler der Hochschulen allgemeinverständlich beantwortet. Diese Antworten wurden anhand von Exponaten bis zum 4. Oktober im Wissenschaftsturm auf dem Kasinoplatz aufbereitet und ausgestellt.

Zweiter Projektteil waren die Oldenburger Traumgärten vom 13. Juni bis 26. Juli. Sieben ganz unterschiedliche Gärten zeigten "Natur schafft Wissen" und begeisterten Besucher der Innenstadt. Wir bedanken uns bei allen Partnern für das farbenprächtige Spektakel!

Projektpartner: City-Management Oldenburg

TATORT ALLTAG

Impressionen von der Eröffnungsveranstaltung des Leitprojektes "Tatort Alltag".

TRAUMGÄRTEN

Impressionen von der Eröffnungsveranstaltung des Leitprojektes "Traumgärten 2009".

DOWNLOAD FLYER

Alles zu den Traumgärten 2009 erfahren Sie auch im Flyer. Hier können Sie ihn runterladen.
Mehr Informationen zum Leitprojekt "Tatort Alltag" finden Sie hier im Flyer.

Das Taschentuch-Rätsel

„Warum ist das Taschentuch quadratisch?“ – Eine Auswahl der  Antworten von Besuchern des Wissenschaftsturms „Tatort Alltag“:

„Weil es so erfunden worden ist.“ „Es lässt sich besser falten und passt besser in eine Packung.“ „Das Runde (Nase) muss in’s Eckige.“ „ Weil man weniger Verschnitt hat und es beim Falten egal ist, in welcher Richtung das Taschentuch liegt.“ „ Früher waren Taschentücher noch aus Stoff. Hätte man sie zusammengeknüllt wären sie nur einmal verwendbar und müssten häufiger gewaschen werden. Deshalb faltet man sie und das geht nun mal besser mit Quadratischen!“ „Mag an der Gewebestruktur des Taschentuchs liegen, die rechtwinklig angelegt ist.“ „Weil die Hosentasche auch so eine Form hat: Da muss das Taschentuch reinpassen!“ „Bei der Herstellung fällt kaum Abfall an.“ „Weil es so zu optischen Zwecken in der oberen Hemdtasche besser gefaltet werden kann!“ „Aufgrund der Taschentuchverordnung aus dem Jahr 1635 haben alle Taschentücher quadratisch zu sein.“ „Damit man es gut aufhängen und trocknen kann.“ „..damit sich Leute darüber Gedanken machen können..“ „Weil es leichter zu falten ist. Die Runden werden aber noch erfunden.“ „Wohl einfach nur eine Frage der Tradition: Stofftaschentücher waren schon immer quadratisch, da muss es das papierene aus Akzeptanzgründen auch sein.“ „Weil die Form harmonisch wirkt.“ „Weil es schön aussieht.“ „Weil man die eckigen Packungen besser verpacken kann.“ „Meine Taschentücher sind alle rechteckig! ..weil selber genäht!“ „Der mit dem eckigen Taschentuch war schneller beim Patentamt.“ „Damit man es besser falten kann und es so die beste Reißfestigkeit hat!“ „Quadratisch, praktisch, gut!“
Und hier die richtige Lösung:

Den Grad der Zivilisation einer Gesellschaft messen wir hierzulande an seltsamen Dingen: am Gebrauch von Messer und Gabel, der Verwendung von Deospray, dem Umbinden von Krawatten oder dem stets griffbereiten Taschentuch.

Taschentücher sind fast immer quadratisch, egal ob aus Stoff oder aus Papier. Diese Form ist kein Zufall, denn die Geschichte des Taschentuchs steckt voller Regeln und Verbote. Die ersten Taschentücher waren übrigens gar nicht zum Naseschnäutzen gedacht. Das tat man damals mit Daumen und Zeigefinger, die man dann am Ärmel oder am Tischtuch abwischte! Das einfache Volk schnäuzte mal mit der rechten, mal mit der linken Hand; die feinere Gesellschaft hingegen schnäuzte ausschließlich links.

Taschentücher hingegen waren ein Statussymbol, oft aus teuren Stoffen wie Seide, mit Perlen, Gold und Edelsteinen bestickt. Sie wurden vom 13. Jahrhundert an von einem sehr engen Kreis der vornehmen Gesellschaft gebraucht. Das edle Tuch diente mehr als elegantes Zubehör zur Kleidung. Manche wurden sogar mit kostbarem Parfum getränkt – vergessen wir nicht: Die Städte stanken bestialisch!

In der High Society der Höfe entwickelte sich mit der Zeit eine ausgefeilte Taschentuchsprache. So bedeutete das Schwenken des Taschentuchs beim Abschied: „Ich werde Dir treu bleiben“; ein Taschentuch aus dem Fenster gehängt: „Vorsicht, ich werde überwacht“; ein Taschentuch, das wie zufällig aus einer Hosentasche fallen gelassen wurde: „Mein Herz ist vergeben“.
Das Taschentuch wurde zum Liebespfand schlechthin – so auch in William Shakespeares Othello: Desdemona verliert das Taschentuch, das Othello ihr geschenkt hat. Als er es bei Cassio findet, der es unwissentlich von Jago zugesteckt bekommen hat, wird es zum Indiz für Desdemonas Untreue – die diesen Irrtum mit dem Leben bezahlt.

Die Formenvielfalt der Tücher war gewaltig: runde, dreieckige, rechteckige. Dies missfiel jedoch der äußerst modebewussten französischen Königin Marie Antoinette. Ihr Gemahl Ludwig XVI. erließ daraufhin eine Verordnung, wonach Taschentücher so lang wie breit sein zu hatten. Kurz darauf begann die Französische Revolution, König und Königin wurden hingerichtet. Das Taschentuch wurde demokratisch, es trat einen weltweiten Siegeszug bei Arm und Reich an. Erst aus Stoff und seit 1929 auch aus Papier. Geblieben ist das quadratische Maß – weil es einst einer Königin gefiel!

Quelle:
R. Yogeshwar: „Sonst noch Fragen? - Warum Frauen kalte Füße haben und andere Rätsel des Alltags“; S. 148-149;  Kiwi-Verlag 2009